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Foto: HBP Stmk/Ziviltechniker DI Valeskini und Gemeinde St. Martin a. W.

Eine Feuerwehr aus Holz

Architektur: ZT-Valeskini
Holzbauunternehmen: Holzbau Grinschgl
Beschreibung zum Objekt:

EINE FEUERWEHR AUS HOLZ

Beim Projekt für das neue Rüsthaus der Freiwilligen Feuerwehr, in der weststeirischen Gemeinde Sankt Martin am Wöllmissberg, stand für die Planung ein vielfältiges und herausforderndes Konglomerat an Anforderungen im Fokus: Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Wirtschaftlichkeit und Ortsüblichkeit, diese aber wiederum gewürzt mit einem Alleinstellungsmerkmal um Aufmerksamkeit für die nicht zentral, aber idyllisch gelegene Landgemeinde, am Rande des Köflacher Beckens, wecken zu können. Der Abwanderungsgedanke ist und war in den letzten Jahren in der Gemeinde ein Thema und somit sind neue Infrastrukturen maßgeblich für die zukünftige Attraktivität solcher Orte. Bei einem solchen Gemeinschaftsprojekt, wie dem Bau eines neuen Rüsthauses, gilt es einerseits einen Konsens, mit dem Bauherren (der Gemeinde) und andererseits mit 50 voll motivierten und engagierten KameradenInnen der Freiwilligen Feuerwehr, zu finden. Wie kann man nun all die Anforderungen und Erwartungshaltungen nicht nur erfüllen, sondern am besten auch noch übertreffen? Genau, mit „Einer FEUERWEHR aus HOLZ“, mit dem Nachsatz: „…die schon einmal GEBRANNT hat“, aber dazu noch später.

Im alten Rüsthaus erschwerten beengte Platzverhältnisse, die Umkleiden waren unmittelbar in der Garage, das Fehlen einer ordentlichen Heizung sowie fehlende Parkmöglichkeiten, den Einsatz der KameradenInnen und war dieses damit auch nicht mehr zeitgemäß bzw. konnte auch die gesetzlichen Auflagen nicht mehr erfüllen.

Seitens der Planung lag somit der Schwerpunkt darauf, den Florianerinnen und Florianern ein neues, bis dato nicht gekanntes, gemütliches, freundliches und vor allem gesundes - Einsatz(Raum)klima zu schaffen UND all das wurde erreicht - mit HOLZ!

So unterschiedlich die Charaktere der FeuerwehrkameradenInnen anfangs auch waren, eines hatten alle gemeinsam – jeder mochte Holz und war von der Idee, “Eine FEUERWEHR aus HOLZ“ zu bauen, begeistert – von Beginn an. Das angenehme Raumklima und der Geruch von frischem Holz verbesserte augenblicklich das Arbeitsklima und das spürte man umgehend, vor allem an den zahlreichen Wochenendarbeitstagen der freiwilligen HelferInnen, im Zuge der Errichtung des neuen Rüsthauses.

Der Bauplatz für das neue Rüsthaus liegt zentral im Ort, direkt gegenüber dem Gemeindeamt, auf einer Seehöhe von 704 m, in geneigter Lage und mit wunderbarer Aussichtslage auf Köflach. Auf dem flächenmäßig großzügigen Grundstück soll das neue Rüsthaus, inklusive dessen Außenanlagen, auch Teil eines neuen Ortszentrums und Vorbild für die zukünftig geplante Modernisierung des Ortskernes, der Gemeinde Sankt Martin am Wöllmissberg, sein. Holz integriert sich gerade im ländlichen Raum und auch bei modernen Formen sanft ins Ortsbild und in die Landschaft.

 

BAUWEISE UND TRAGSTRUKTUR

Das neue Rüsthaus wurde in Massivholzbauweise errichtet. Alle Wände und Decken des neuen Rüsthauses wurden mittels nachhaltigem Massivholzbau, bestehend aus kreuzweise verleimten Holzplatten, ausgeführt. Die Decke der, sich mit einer Raumhöhe von gut 4,50 m von den anderen, umgebenden Räumlichkeiten abhebenden, Fahrzeughalle, wurde mittels ressourcenoptimierter, innovativer Kielstegdecke ausgeführt. Für die Wände und Decken wurde Innen auf Vorsatzschalen verzichtet und alles in Industriesichtqualität, mit natürlicher Holzoptik und -haptik belassen. Es gelang mit modernen Holzvordachkonzepten und Flachdächern (Foliendeckung mit Bekiesung) das neue Rüsthaus sehr gut ins Ortsbild einzugliedern.

Um den Gebäudekomplex möglichst gut in das stark abfallende Baugrundstück zu integrieren, wurde die Gründung(en) aus einem „Triumvirat“ (1-3) errichtet. Talseitig kragt das Rüsthaus auf (1) Stahlbetonstützen gelagert, über 6,0 m schwebend, über einen (2) Stahlbetonkellerstreifen (30,5 x 5,0, L x B, in m) aus. Dieser bildet somit eine Art mittigen Auflagerstreifen für das Rüsthaus, welches bergseitig wiederum auf einer (3) Stahlbeton-Fundamentplatte gelagert ist. Aufgrund einer sandigen Bodenschicht wurden die Stahlbetonstützen, der Keller und die Fundamentplatte, durchwegs auf Bohrpfählen tiefengegründet.

 

HOLZ IST BRANDHEISS

Zum ganz besonders, „brandheissen“ Thema wurde im Zuge der Rüsthausaußengestaltung auch die eingesetzte, hinterlüftete Holzschalung an der Außenfassade, mittels karbonisiertem Lärchenholz, angebracht in vertikaler Richtung. Um den ressourcenschonenden, biologischen und natürlichen sowie ins Ortsbild passenden Planungsweg zu vervollständigen, wurde auf eine alt bewehrte Technologie zurückgegriffen. Dabei wird das Holz in seiner obersten Schicht verbrannt und diese so entstehende, karbonisierte Struktur, bildet eine natürliche Schutzschicht für das Holz. Diese Jahrhunderte alte Art der Holzbehandlung bietet somit Witterungsschutz, ohne Verwendung zusätzlicher Oberflächenbehandlungen (Farben, Lacke, Öle etc.). Durch den Verbrennungsprozess werden die Holzzellen verdichtet und konserviert, sodass das Holz danach auch vor Schimmelpilzen, Fäulnis und Wasser geschützt wird. Es entsteht somit eine nahezu schwarze Fassade mit einer extravaganten Optik, welche den natürlichen Holzcharakter des neuen Rüsthauses, prägend sichtbar macht. Besonders stimmig mit noch vorhandenen Gehöften im Ortszentrum und deren bestehenden Außenfassaden aus sonnenverbranntem Holz sowie der farblichen Übereinstimmung mit dem Kirchturm, fügt sich das neue Rüsthaus ins Ortsbild ein.

 

FUNKTIONALITÄT, RAUMKONZEPT UND LEITTECHNIK

Bei der Planung des neuen Rüsthauses wurde auch ein Schwerpunkt auf eine mehrfache Gebäudenutzung gelegt. So besteht der Betonkellerstreifen aus fünf Räumlichkeiten, welche neben der Freiwilligen Feuerwehr auch von der „Nahwärme St. Martin eGen“ und von Gemeindemitarbeitern (Bauhof) genutzt werden. Für die Nahwärme St. Martin (Biowärmelieferant) wurde ein Heizraum zur Errichtung einer zentralen Holzpelletsheizanlage und einem anschließenden Pelletstank (5,0 x 5,0, L x B, in m) errichtet. Mit der Verwendung von erneuerbarer Energie in Form von Biomasse wird mit dieser energieeffizienten Heizanlage das neue Rüsthaus, das Gemeindeamt und das örtliche Gasthaus sowie zukünftig auch neu aufgeschlossene Bauplätze, in Ortskernnähe, versorgt. Zusätzlich wird auch am Dach der Fahrzeughalle noch mit einer Solaranlage geplant.

Die Auskragung des gegenständlichen Holzbaues, mit talseitig 6,0 m über das Kellergebäude hinaus, dient den Betreibern und Benützern somit auch als wettergeschützte, überdachte Unterstellmöglichkeit für deren Fahrzeuge bzw. als großzügige Park-, Lager- bzw. Manipulationsfläche zu jeder Jahreszeit. Die asphaltierte Straßenaußenanlage ermöglicht das praktische Umfahren des Rüsthauses, auch mit Einsatzfahrzeugen. Direkt von der Landesstraße im Ortszentrum erfolgt die Zufahrt ebenerdig zur Fahrzeughalle. U-förmig wurde um die Fahrzeughalle ein eigener Gebäudeteil, bestehend aus einem übersichtlich strukturierten Raumkonzept, im Einklang mit der Richtlinie des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes, welcher vor allem durch die Holzoptik und -haptik seiner Wände und Decken besticht.

Mittels spezieller Designsprache wurden an den jeweiligen Innentüren die Räume gekennzeichnet und nummeriert und somit der Grundstein für eine innovative Leittechnik erstellt, welche sich wie ein roter Faden durch den Holzkomplex zieht. Bestandteil der innovativen Leittechnik ist auch eine Weißglastafel (2,1 x 2,3 H x B, in m) im Eingangsbereich, direkt gegenüber der Kommandozentrale. Darauf wurde eine eigens entworfene „Landkarte“ für das Gemeindegebiet von Sankt Martin a. W. entworfen, wo symbolisch die wichtigsten Bezugspunkte und alle Ortsteile der Gemeinde, in dieser eigens ausgearbeiteten Designsprache, dargestellt wurden. Durch die Verwendung von Weißglas konnte die Holzoptik der Massivholzwandelemente im Hintergrund erhalten werden. Wesentlicher Bestandteil des Leittechnik-Konzeptes sind dabei auch die außenseitig, links bzw. rechts der Fahrzeughalle, in weiss montierten Wappen (je 1,8 x 1,4 H x B, in m), welche einmal das Feuerwehrlogo und einmal das Gemeindelogo, dieser kreativen Designsprache folgend, darstellen. Die schwarze, verkohlte Holzaußenfassade mit den weißen Beschriftungszügen wie „Feuerwehr“, „122“ sowie die beiden zuvor erwähnten Logos, sorgen für einen eindrucksvollen Kontrast. Die Beschriftung „122“ hat die Besonderheit, dass man natürlich in erster Linie an die Notrufnummer der Feuerwehr denkt, zusätzlich wurde Sie aber auch als Postadresse für das Gebäude vergeben und steht somit vor allem auch für die neue Hausnummer des Rüsthauses. Wie viel Herzblut von allen Beteiligten in diesem Projekt steckt, merkt man auch daran, dass die Schrifttypen der Beschriftungen an der Außenfassade alle unterschiedlich sind und eigens entwickelt wurden. Auch im Inneren vollzieht sich die Liebe zum Holzbaudetail. Die flächenbündig installierten Innentüren, wurden ebenso aus massivem Holz, wie auch unbehandelt, gefertigt. Somit einhergehend mit derselben Holzoptik und -haptik ausgestattet wie die Massivholzwände und -decken, heben sich die Innentüren aber trotzdem aus den Holzwandebenen hervor. Durch eigens gefertigte und händisch karbonisierte (verkohlte) Holztürzargen sowie händisch karbonisierte Umrandungen der Lichtkuppeln, treten diese, zusammen mit den Lichtkuppeln, kontrastreich aus den Holzwänden und decken, durch die so erhaltene schwarze Rahmenoptik, hervor. Der respektvolle und ressourcenschonende Umgang mit Holz war im Zuge der Planung, als auch während der Örtlichen Bauaufsicht, oberstes Ziel. So wurden die Reststücke (Abfallstücke) der Massivholzelemente, aus Wänden und Decken, fast zur Gänze für die Inneneinrichtung bzw. zur Errichtung von diversem Mobiliar, wieder verwendet. Gemeinsam mit den KameradenInnen der Feuerwehr wurden so diverse Möbelstücke entworfen, geplant und von den handwerklich begabten Mitgliedern fachgerecht gefertigt und montiert. So wurden die Schreibtische bzw. Arbeitsplatten in der Kommandozentrale, dem Büro, der Werkstatt, dem Atemschutzraum, der Küche sowie auch die Küchenbänke und Bänke in den Umkleideräumen zu speziellen Unikaten und konnten alle aus den übrig gebliebenen Massivholzwand bzw. -deckenteilen von uns selbst erzeugt werden. Insgesamt konnte daher ein Holzvolumen von 142 m³ (Quelle: www.massivholzsystem.at/news-blog/brandheiss-feuerwehr-aus-holz/ ), beim gegenständlichen Bauvorhaben, restlos aufgebraucht werden.

 

BOTSCHAFT

Um diesen Holzbau, für das neue Rüsthaus der Freiwilligen Feuerwehr St. Martin a. W. und dem Planungsgrundsatz, „Eine FEUERWEHR aus HOLZ“ und dem weiteren Projektslogan „…die schon einmal GEBRANNT hat“, der Bevölkerung näher zu bringen, verbunden mit der besonderen und nachhaltigen Bauweise und Optik dieses öffentlichen Gebäudes, war es auch Ziel, ein Zeichen für Innovation und Zukunft, auch für die umliegenden Gemeinden in der Weststeiermark, zu setzen. Wer auf Nachhaltigkeit setzt, investiert in das Leben (und Ersthelfer) von Morgen. Das ist unsere gemeinsame Botschaft.

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