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Fotokredit: HBP Stmk/Holzwelt - Tom Lamm, Florian Fend

Infopavillons Holzwelt Murau

Bauherrschaft: Holzwelt Murau
Holzbauunternehmen: Holzbau Horn GmbH
Beschreibung zum Objekt:

Neun Infopavillons für die Holzwelt Murau

 

In Murau, in St. Lambrecht, in Neumarkt, in Mühlen, in Oberwölz, in St. Peter am Kammersberg, in Krakaudorf, in St. Georgen am Kreischberg und auf der Turracher Höhe stehen sie: manchmal mitten im Ort, manchmal auf freiem Feld, manchmal etwas erhöht, oftmals in der Nähe einer Kirche, manchmal wie ein Wartehäuschen an der Straße, manchmal wie eine Gartenlaube im Grünen, immer an Wander- und Fahrradwegen. Ihre Bauweise ist markant und macht neugierig: elegant verdrehte Lärchenholzlamellen in Kombination mit aussteifenden Wandscheiben, die gleichzeitig als Informationsflächen dienen, bilden die tragende Struktur und bieten immer neue Durchblicke und Lichtspiele, wenn man sich im Inneren bewegt. Zugleich laden sie als Sitzgelegenheit oder als Unterstand zum Verweilen ein.

 

Es sind insgesamt neun Infopavillons, die der Verein für Regionalentwicklung „Holzwelt Murau“ im Jahr 2020 gebaut hat, um auf das Freizeitangebot der „Erlebnisregion Murau“ aufmerksam zu machen. Aber diese Pavillons leisten weit mehr als nur die Präsentation von Schautafeln mit Bildern und Karten der Region und ihren Bergpersönlichkeiten. Durch ihre außergewöhnliche Bauweise bilden sie nicht nur eine sichtbare Verbindung zwischen den Ortschaften dieser landschaftlich reizvollen Gegend, sie verweisen auch auf die besondere, zukunftsweisende Kompetenz im Bauen mit Holz, welche eine der waldreichsten Regionen Österreichs und ihre Betriebe auszeichnet.

 

Die Pavillons sind das Resultat einer Zusammenarbeit zwischen der Landesberufschule (LBS) Murau, den holzverarbeitenden Betrieben der Region und dem auf die Erforschung digitaler Planungs- und Bauweisen spezialisierten Institut für Architektur und Medien (IAM) der Technischen Universität (TU) Graz. Die CNC-gesteuerte Abbundanlage der LBS Murau, eine brandneue Hundegger Robot Drive, wurde von einer Gruppe Studierender der TU im Rahmen einer Projektübung im Wintersemester 2017/18 genutzt, um mit den Möglichkeiten der digital gesteuerten Holzbearbeitung zu experimentieren. Ziel der Projektübung war der Entwurf eines Prototyps für die Infopavillons. Die Bauweise sollte dabei das gestalterische Potential aufzeigen, welches durch parametrische Entwurfswerkzeuge und CNC-gesteuerte Bauweisen mit dem Baustoff Holz entsteht.

 

Es ist bemerkenswert, ja geradezu verblüffend, wie fortschrittlich die technische Ausrüstung der LBS und der Betriebe in der Region ist, aber auch wie selten dieses technische Potential und das avancierte Know-how von den Planenden genutzt wird. Die zukünftigen Zimmerleute werden an einer hochmodernen Abbundanlage ausgebildet, aber die Dachstühle, für welche sie den Abbund so schnell und präzise wie nie zuvor machen können, sehen genauso aus wie früher. Sie lernen an einer Maschine, die alle Stückerl spielen könnte, aber gewünscht wird immer nur Um-tata.

 

Die Pavillons, die jetzt verteilt in der Region stehen, sind auch als Reaktion auf diese Situation geplant worden. Sie sollten zeigen, dass in der entlegenen aber mit einer hochqualifizierten Holzindustrie gesegneten Region Murau ein anderes Bauen mit Holz möglich ist. Wobei „anders“ nicht das Suchen nach möglichst spektakulären Formen meint, sondern das Entwickeln von Formensprachen, welche die digitalen Verfahren dazu verwenden, die Besonderheiten des Werkstoffs Holz auszunutzen. Wie man das Holz durch die Konstruktion und die Art der Verarbeitung sozusagen zum Sprechen bringt, stand beim Entwurf der Pavillons im Fokus. Viele höchst unterschiedliche 1:1 Prototyp-Details wurden auf der Hundegger gefräst und in der Abbundhalle der LBS testweise zusammengebaut. Mit geflochtenen, gekerbten und verzahnten, mit entlang der Faser gespaltenen und neu zusammengefügten Holzteilen und vielem anderen mehr haben die Studierenden im Rahmen ihrer Recherchen experimentiert und entworfen. Aus allen Vorschlägen wurde schließlich gemeinsam mit den Bauherren der „Twist“ Pavillon zur Umsetzung ausgewählt. Dessen Bauweise beruht auf der im Zuge der Experimente gemachten Entdeckung, dass Bretter durch Verdrehen stark an Steifigkeit gewinnen und so auch als tragende Elemente eingesetzt werden können.

 

Die CNC-gesteuerte Fertigung erlaubt das Umsetzen dieser Bauweise in höchster Präzision. Als Basis und Decke der Lamellenstruktur dienen Brettsperrholzplatten (KLH) mit Lärchenuntersicht. In diese werden die Schlitze für die Lamellen eingebracht: CNC-gesteuert millimetergenau in der richtigen Drehung und Neigung. Die gehobelten und an den Enden abgerundeten Lärchenholzbretter können nun von oben in die Schlitze eingebracht, verdreht und in den Sockel gesteckt werden. Die Verdrehung versteift nicht nur die Bretter, sie fixiert sie auch in den Schlitzen. Der erste „Twist“ Pavillon wurde von den Studierenden selbst in den letzten beiden Wochen des Wintersemesters im Park der Alten Technik an der TU Graz aufgebaut. Die Bauweise führt zu einfachen, präzisen Fügedetails mit sauberen Anschlüssen, ganz ohne sichtbare Schrauben, Metallteilen oder ähnlichem – Details, wie man sie sonst eher bei Möbeln kennt.

 

Der Prototyp auf dem Campus in Graz ist inzwischen wieder demontiert worden, wobei fast alle Bretter wiederverwendet werden konnten. Die Pavillons in der Region Murau wurden von Holzbau Horn, einem regionalen Betrieb, realisiert. Auf die neun unterschiedlichen Bauplätze wurde mit drei jeweils kontextspezifischen Bautypen reagiert. Für den Entwurf auf der Basis des Prototyps ebenso wie für die Bereitstellung der Daten für die digitale Fabrikation war Florian Fend (IAM) verantwortlich. Die anspruchsvolle Statik mit den verdrehten Lärchenholzbrettern als Tragstruktur wurde vom Wiener Ingenieurbüro Bollinger+Grohmann berechnet. Die digitalen Fräsarbeiten wurden wiederum auf der Abbundanlage der LBS Murau durchgeführt. Das Lärchenholz stammt selbstverständlich aus der Region.

 

Raffiniert und doch schlicht, leicht wiedererkennbar und doch auf die jeweiligen Bauplätze abgestimmt, bilden die neun Infopavillons Identifikationspunkte für die weit verzweigte, von Wald und Holz geprägte Region und ihre Gäste. Harald Kraxner vom Verein Holzwelt Murau sieht in ihnen ein „klares Zeichen für eine zukunftsträchtige Holzarchitektur“.

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