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Fotokredit: HBP Stmk/Manuel Draschl

Offenes Foyer - Rathaus Premstätten

Holzbauunternehmen: Kulmer Holz-Leimbau GesmbH
Beschreibung zum Objekt:

Besser mit Holz gebaut – Das offene Holzfoyer im Rathaus Premstätten

 

Das Ziel des neuen Rathauses in Premstätten ist es, in seiner architektonischen Ausformulierung zu einem Raum des aktiven gelebten Miteinander zu werden. Das Gebäude wird zum funktionalen und räumlichen Anziehungspunkt und schafft durch seinen weit ins Gebäudevolumen eingeschnittenen Eingangsbereich einen intensiv nutzbaren öffentlichen Ort. Für diesen Übergangsraum zwischen Innen und Außen war eigentlich sofort klar, welches Material hier zur Anwendung kommen soll: Holz.

Mit Brettsperrholzträgern wurde die knapp 400 m² große Fläche überspannt. Diese schaffen im Wechsel mit der Verglasung einen optimalen Witterungsschutz und je nach Sonnenstand eine sich ständig ändernde spannungsvolle Lichtsituation. Die Glasfassade, die im Erdgeschoß schwellenlose Übergänge zum Verwaltungsgebäude schafft, geht im Obergeschoß in den vertrauten warmen Farbton einer Lärchenschalung über. Die vertikale Schalung fasst mit den Trägern in derselben Oberflächenbeschaffenheit den aufgespannten Raum und bildet einen angenehmen Kontrast zur äußeren Materialität des weißen horizontalen Riegels. Vor allem abends wird dieses kontrastierende Spiel durch eine entsprechende Beleuchtung in Szene gesetzt und der warme Holzton strahlt weit sichtbar in die Landschaft.

Fast alles – vom Blaskapellen-Konzert bis zu Flohmärkten, Hochzeiten und Versammlungen – soll hier in Zukunft passieren können. Auch die Verwaltungsbüros und das Bürgermeisterbüro im ersten Stock, blicken in diesen öffentlichen, außen gelegenen Bereich. Der spielerische Blickkontakt zwischen Amt und Ortschaft vermittelt Transparenz einer bürgernahen, selbstbewussten Verwaltung.

Das Rathaus Premstätten wurde zwar als Massivbau ausgeführt, beim offenen Foyer kann mit Recht gesagt werden - Besser mit Holz gebaut!

 

Gemeinde im Umbruch - ein Rathaus für Premstätten

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Der unsichtbare Raum

Wie so oft bei den Grazer Architekten Ederer und Haghirian zeigen sich die Stärken ihrer Gebäude bei genauerem Hinsehen und durch deren klare funktionale Lesbarkeit. Das neue Rathaus der Marktgemeinde Premstätten ist durchdrungen mit einer den Architekten eigenen pragmatischen Ausarbeitung und Haltung. Sie sagen „Gute Architektur hält was aus und ermöglicht auch das, was vorab vielleicht nicht vorstellbar war.“ Geplant wurde das Rathaus mit dem vorausschauenden Verständnis, dass Architektur nicht eine Momentaufnahme oder eine Rückschau auf Vergangenes ist, sondern immer etwas mitdenkt, was erst noch passieren muss und gemeinsam zwischen Architekt, Auftraggeber und Nutzer entwickelt wird. Bei der Architektur steht man also immer mit dem einen Bein bereits im Unsichtbaren. Die Herausforderung dabei ist es diesem Unsichtbaren eine Form und Struktur zu geben.

 

Gemeinde im Umbruch

Zurückgesetzt von der Hauptverkehrsstraße der Gemeinde Unterpremstätten übernimmt das neue Rathaus die Funktion eines räumlichen wie sozialen Scharniers zwischen dem historischen, dörflichen Ortskern – alte Kirche, großzügiges Pfarrhaus, kleine Bauernhöfe, kleine Läden – und den neuen Wohnbau- und Gewerbegebieten der 2015 durch Gemeindereform zusammengelegten Gemeinden Unterpremstätten und Zettling. Das Gebäude öffnet sich, passend zu den Wachstumsplänen der Gemeinde, nach Osten Richtung Neubaugebiet und heißt alle zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner schon jetzt willkommen. Damit wird das Rathaus zum gebauten Bild, der sich verändernden und modernisierten Gemeinde.

 

Das lesbare Gebäude

Funktional ist das Haus effizient durchdacht. Die Architekten verzichteten dennoch nicht auf räumliche Qualitäten. Architektonisch zeigt sich dies in gut nachvollziehbaren Entscheidungen: Der große Sitzungs- und Trauungssaal mit Veranda und Foyer bezieht auf der Blickachse zwischen alter Kirche und neuen Baufeldern Stellung und verweist auf die raumplanerischen Entwicklungen. Zudem wählten Ederer und Haghirian Architekten einen kompakten Baukörper, der sich nicht an die Satteldächer umliegender Einfamilien- und Bauernhäuser anbiedert. Der weiße, horizontal ausgestreckte Riegel wirkt vertraut, da keine Seltenheit mehr im städtischen Umland und wird zum zeitgenössischen Marker. Das Gebäude wird zum funktionalen und räumlichen Anziehungspunkt und schafft durch seinen weit ins Gebäudevolumen eingeschnittenen Eingangsbereich einen intensiv nutzbaren öffentlichen Ort. Dieser ist durch sein Material schwellenlos mit dem Inneren des Gebäudes verbunden. Fast alles – vom Blaskapellen-Konzert bis zu Flohmärkten, Hochzeiten und Versammlungen – soll hier in Zukunft passieren können. Auch die Verwaltungsbüros und das Bürgermeisterbüro im ersten Stock, blicken in diesen öffentlichen, außengelegenen Bereich. Der spielerische Blickkontakt zwischen Amt und Ortschaft vermittelt Transparenz einer bürgernahen, selbstbewussten Verwaltung.

Die gestalterischen Entscheidungen lassen einen engen Austausch zwischen Auftraggeber und Architekten vermuten. Eine räumlich kompakte, aber dennoch in Teilaspekten flexible Umsetzung des funktionalen Programms spricht außerdem für eine gute Wettbewerbskommunikation. Strikt wurde das gestaltet, was die Gemeinde für einen möglichst reibungslosen Verwaltungsalltag braucht. Als funktionaler Hybrid bündelt und sortiert eine Art Galerieraum alle Abläufe im Haus. Schlange vor dem Bürgermeisterzimmer steht man in diesem Rathaus nicht mehr. Getrost kann man dort wie in einem Loungebereich auf Wartesesseln Platz nehmen. Standesamt, Meldeamt und Tourismusbüro liegen leicht zugänglich und vom Eingang her sichtbar im Erdgeschoss, während Buchhaltung und Sozialraum der Mitarbeiter im ersten Obergeschoss abseits vom Trubel sind. Die Brandabschnitte im Gebäude folgen diesen funktionalen Einheiten. Sie trennen die öffentlich zugänglichen Bereiche von den Verwaltungsbüros.

Ederer und Haghirian sind schlau. Sie kennen die Abläufe eines Rathauses bis ins Detail und setzen räumliche Vorschläge durch, die nicht von Anfang an im Wettbewerbsprogramm standen, mittlerweile aber, wie der Raucherbalkon am Sozialraum, sich großer Beliebtheit erfreuen. Auch der Vereins- und Klubraum ist im Erdgeschoss gut platziert. Vereine und MitarbeiterInnen kommen sich bei der täglichen Nutzung nicht in die Quere und über einen Nebeneingang ist der Raum für Vereinsmitglieder direkt vom Parkplatz aus zugänglich.

 

Baukultureller Typus

Im Flächennutzungsplan und Entwicklungsplan 4.0 als Zentrum Potenzial ausgewiesen, wurden von Anfang an hohe Erwartungen an Grundstück und Bebauung gestellt. Baukulturell knüpft das Rathaus Premstätten an Bestehendes an. Schließlich hat es preisgekrönte Vorbilder wie die Architekten erklären und könnte zu einem neuen Typus gehören, der sich auch in den städtischen Umlandgemeinden etabliert. Die Nachbargemeinde Lannach hat ebenfalls ein top-modernes Rathaus, das mit einem überdachten Vorplatz öffentlichen Spielraum anbietet. In den meisten Gemeinden scheint man begriffen zu haben, dass gute Baukultur weniger mit Repräsentation, denn mit Akzeptanz und Identifikation durch NutzerInnen und Besucher*innen zu tun hat. Dass man stolz in Premstätten auf das neue Gebäude ist verwundert deshalb nicht: Man zeigt BesucherInnen den weißen Kubus mit dem überdachten Eingangsbereich gerne und häufig. Ähnlich alltagstaugliche, architektonische Antworten wie diejenigen, die im Projekt von Ederer und Haghirian Architekten baulich manifestiert sind, wären ein Beitrag, um Herausforderungen in den Aspekten Raumplanung, Architektur und Gesellschaft anzugehen.

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(text: claudia gerhäusser)

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